Orte, an denen gutes Leben gelingt!
Von Waltraud Kröner, Sozialarbeiterin, Seniorenvertreterin im Stadtbezirk Untergiesing-Harlaching, stellvertretende Vorsitzende des Fachausschusses Soziales
Für die Seniorinnen und Senioren in den 25 Münchner Stadtbezirken ist dieser Ort „ihr ASZ“ im eigenen Viertel. Das Konzept der offenen Türen in die Stadtteile hinein lädt zu Besuch, Teilnahme und Teilhabe ein. In Kombination mit aufsuchenden Elementen, wie den Präventiven Hausbesuchen oder SAVE (Seniorinnen aufsuchen im Viertel durch Expertinnen), werden so viele
ältere Menschen erreicht, wie es mit anderen Angeboten nicht möglich ist.
Der Wahlspruch „Soziale Arbeit ist Beziehungsarbeit!“ prägt und leitet die ASZ-Arbeit maßgeblich. In den vielfältigen und vielschichtigen Beziehungen, die sich in der Erfüllung der Aufgaben in jedem einzelnen ASZ zwischen den Seniorinnen und den haupt- wie ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen entwickeln, ist dieser besondere Ort erfahrbar.
München muss sparen. Die Ebbe in der Stadtkasse wirkt sich auch auf die Angebote der Altenarbeit in der Landeshauptstadt aus. Der Münchner Seniorenbeirat setzt alle zur Verfügung stehenden Kräfte und Ressourcen ein,
um im Austausch mit den Entscheidungsträgern im Stadtrat darauf hinzuwirken, dass bisher Erreichtes nicht dem Rotstift zum Opfer fallen muss.
Aus den Reihen der ASZ gibt es Unterstützung: „Das stadtweite Netz der ASZ ist eines der wichtigsten Angebote in der Daseinsvorsorge für Senior*innen. Sowohl die Beratung, die Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten als auch die diversen präventiven Angebote in erreichbarer Nähe stützen das Altenhilfesystem enorm. Das Netz der ASZ ist in der Versorgung nicht wegzudenken und braucht weiterhin breite Unterstützung von Politik und Verwaltung.“ Schon im letzten Jahr forderte der Seniorenbeirat den Stadtrat auf, bei den anstehenden Sparmaßnahmen darauf zu achten, dass die Finanzierung für das wichtige und breit gefächerte Angebot der ASZ gesichert wird und weiterhin bestehen bleibt. Weiter
wurde die Stadt aufgefordert, in ihrem Plan-Versorgungsrichtwert nicht nur jeweils mindestens ein ASZ pro Stadtbezirk vorzusehen, sondern auch das
Ziel weiter zu verfolgen, pro 9000 Einwohner*innen über 65 Jahren ein ASZ anzubieten.
Historie
Die Entwicklung der Alten- und Service-Zentren (ASZ) in München begann in den 1970er Jahren, um die kommunale Altenhilfe wohnortnah zu strukturieren. Der Eröffnung des ersten ASZ folgte die stetige Erweiterung des Netzes. Die Geschichte der ASZ ist eng mit der Sozialpolitik der Stadt München verbunden, die frühzeitig erkannte, dass eine wohnortnahe, niedrigschwellige Infrastruktur für die älter werdende Bevölkerung notwendig ist. Das Sozialreferat ist stolz auf die Vorreiterrolle Münchens in Sachen Altenhilfe und das deutschlandweit einzigartige Konzept, das bundesweit als „Münchner Modell“ bekannt ist.
„München war die erste Stadt, die das Tabuthema Alter thematisiert hat“, stellte Eva Maria Huber, ehem. Leiterin der Abteilung Altenhilfe und Pflege im Sozialreferat, vor Jahren fest.
Im Laufe der Zeit wurde das Konzept fortgeschrieben. Dabei waren die innovativen und mutigen Erweiterungen den Bedarfen und Bedürfnissen der
wachsenden Bevölkerungsgruppe älterer Menschen ab 60 Jahren angepasst. Die ASZ als die niederschwellige Anlaufstelle für Seniorinnen und Senioren sind inzwischen unauflöslich tief in Stadtteil- und stadtweite Strukturen eingewachsen. Sie gehören zur unverzichtbaren Grundausstattung einer wirksamen Daseinsfürsorge.
Die ASZ-Arbeit
Die Hauptziele der ASZ-Arbeit sind die Stärkung und der Erhalt der Selbständigkeit und der psychischen und physischen Gesundheit, die Unterstützung beim Verbleib in der eigenen häuslichen Umgebung, die
Förderung selbstbestimmter Lebensgestaltung im Alter – einschließlich der Stärkung vorhandener Kompetenzen bei Personen mit physischen und psychischen Veränderungen, der Erhalt der Fähigkeiten zur Bewältigung von Alltagsproblemen, die Förderung sozialer Kontakte, der Erhalt der gesellschaftlichen Integration, die Vermeidung von Isolation und Ausgrenzung sowie die Förderung von bürgerschaftlichem Engagement.
Ältere Menschen und Angehörige erhalten im ASZ soziale Beratung und konkrete Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsproblemen oder besonderen Lebenslagen. Gezielte und bedarfsorientierte Gruppen- und Kursangebote mit Begegnungs-, Informations- und Veranstaltungscharakter fördern Aufbau und Pflege sozialer Kontakte und persönlicher sozialer Netzwerke.
Durch Aktivierung und Einbindung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer sowie Mitwirkungsmöglichkeiten der Nutzerinnen und Nutzer leisten die ASZ einen Beitrag zu Partizipation, Selbstorganisation und bürgerschaftlichem Engagement.
Die ASZ kooperieren eng mit anderen Anbietern sozialer Dienste für ältere Menschen im Stadtteil und stadtweit sowie auch mit Ämtern. Sie vernetzen die Angebote und vertreten die Interessen der Seniorinnen nach innen und außen.
Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen begleiten und unterstützen ihre Ratsuchenden bei Antragstellungen und Antragsverfahren. Diese Brückenbauer-
Funktion ist gerade bei Menschen von besonderer Bedeutung, die ansonsten aus Scham und Angst ihr Recht auf Hilfe nicht wahrnehmen würden. Im Vergleich zu anderen Gruppen der Gesellschaft steigt für Seniorinnen und Senioren das Armutsrisiko seit vielen Jahren am stärksten. (SZ 04.12.2025 „Armuts- und Reichtumsbericht“).
„Das ASZ ist eine wunderbare Einrichtung für ältere Menschen, in geselliger
Runde vielfältige Angebote zu genießen.“
Geforderter Bestandsschutz
Für den laufenden Budgetzeitraum wurden die kommunalen ASZ-Budgets nicht erhöht, also Lohnsteigerungen und höhere Preise nicht berücksichtigt. Das entspricht de facto einer Reduzierung der ASZ-Budgets um mindestens 10 Prozent. Die Einrichtungen glichen dies zum Teil jetzt schon mit Personaleinsparungen aus. Das hat jetzt bereits Leistungseinschränkungen zur Folge! Im gegenwärtigen Umfang müssen die vielfältigen Wirkungsweisen und -ebenen der ASZ-Arbeit auch in Zeiten von Konsolidierungshaushalten gewahrt bleiben.
Individuelle Ebene
- Schutz vor Armut im Alter
- Schutz vor Einsamkeit und Isolation
- Teilhabe und Integration
- Förderung von Ehrenamt und Mitwirkung
- Gesundheitsförderung und Prävention: Bewegungsangebote, Gedächtnistraining, Informationsveranstaltungen
Professionelle Ebene
- Vermittlung expliziter Informations- und
Beratungsinhalte - Psychosoziale Begleitung und Motivation
- Unterstützung bei Antragsstellung und Antragsverfahren
- Case-Management
- Präventive Hausbesuche
- SAVE (Seniorinnen und Senioren aufsuchen im Viertel durch Expertinnen und Experten)
- (Sozialer) Mittagstisch
- Erwachsenenbildung
- Begleitung auf dem Weg der Transformation von der analogen in die digitale Welt
Lokale und kommunale Ebene
- Öffnung ins Viertel
- Kultivierung sorgender Nachbarschaften
- Kooperationen mit anderen Anbietern und Einrichtungen der Altenarbeit
- Vernetzung, Austausch und Interessensvertretungauf der Fachebene
Würden Umfang, Wirkungsweise und -ebenen der ASZ-Arbeit durch finanzielle Kürzungen eingeschränkt, hätte dies neben dem individuellen und gesellschaftlichen Schaden auch eine Verlagerung von Kosten in andere Bereiche der Daseinsvorsorge hinein, z.B. in die sozialen Sicherungssysteme, zur
Folge – m.a.W.: Wer bei den ASZ spart, verlagert Kosten von einem in den anderen Topf und provoziert bislang noch nicht untersuchte Folge- oder gar Mehrkosten.
München kann auf die stolze Zahl von jetzt 34 ASZ in 25 Stadtbezirken blicken. Mit dem erst kürzlich eröffneten Zentrum für Soziales und Kultur „Neue
Ziegelei“ im Prinz-Eugen-Park beschreitet die Stadt innovativ und mutig neues Terrain und vereinigt zeitgemäß ein ASZ, einen Familien- und Nachbarschaftstreff und ein Kulturzentrum unter einem Dach.
Die Trägerschaft für die ASZ stellen verschiedene größere Wohlfahrtsverbände und in einem Fall die Landeshauptstadt selbst. Es gibt auch einige kleinere Träger.
40 Jahre ASZ – ein Film
„Dieser Film sagt mehr als 1000 Worte. Er entstand anlässlich des 40-jährigen
Jubiläums der Münchner ASZ. Spaß, gute Laune und auch Ernsthaftigkeit merkt
man allen Beteiligten an. Lassen Sie sich anstecken und wagen einen Blick in
die sagenhafte Welt eines ASZ.“ Dazu lädt Elisabeth Robles Salgado, Seniorenvertreterin für den Stadtbezirk Bogenhausen, 1. Stellvertreterin im Vorstand Seniorenbeirat und Vorsitzende des Fachausschusses Soziales, ein.
Sie muss es wissen, hat sie doch das ASZ Thalkirchen fast 28 Jahre lang geleitet und zu einem beliebten Treffpunkt und einer wichtigen Anlaufstelle aufgebaut,
bevor sie 2022 ihr Amt in der 12. Wahlperiode der Münchner Seniorenvertretung
antrat.
