Von Ulrich Gammel, Seniorenbeirat im Stadtbezirk Sendling, stellvertretender Vorsitzender Fachausschuss Öffentlichkeitsarbeit und Fachausschuss Öffentlicher Raum, Vorstandsmitglied des Archivs der Münchner Arbeiterbewegung
Streiks, Demonstrationen, Lohnrunden und der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen bestimmen bis heute die öffentliche Wahrnehmung von Gewerkschaften. Über ihre aktuellen Auseinandersetzungen wird berichtet, ihre Forderungen schaffen es in Schlagzeilen und Nachrichtensendungen. Doch was geschieht mit Fahnen, Transparenten, Flugblättern und Plakaten, wenn die Kundgebungen beendet sind? Und wer kümmert sich um die Spuren jener Konflikte, die längst Geschichte geworden sind?
Eine Antwort darauf gibt das „Archiv der Münchner Arbeiterbewegung“, das vor knapp vierzig Jahren gegründet wurde. Den entscheidenden Impuls lieferte die damals viel beachtete Ausstellung „Empor zum Licht – Arbeitersänger und Arbeitersportler in München vor 1933“. Bis heute erinnert auch ein eindrucksvoller Bildband an dieses Projekt.
Seit 1987 sichert, archiviert und präsentiert die Einrichtung Zeugnisse aus mehr als 150 Jahren Geschichte der Arbeiterbewegung. Zum Sammelgebiet gehören dabei nicht nur klassische gewerkschaftliche Bestände, sondern auch Dokumente sozialer Bewegungen wie der Frauen- und Umweltbewegung. Ebenso richtet sich der Blick auf den Alltag abhängig Beschäftigter und auf die Industriekultur der Stadt.
Damit schließt das Archiv eine wichtige Lücke in der stadtgeschichtlichen Überlieferung – vor allem dort, wo es um die Geschichte „von unten“ geht.
„Empor zum Licht!“ – Wie Münchens Arbeitergeschichte bewahrt wird
Seine Bestände bleiben nicht im Depot verborgen: In öffentlich zugänglichen Veranstaltungen, Ausstellungen, Vernissagen, kreativen Aktionen und Publikationen lädt das Archiv dazu ein, Vergangenheit und Gegenwart kritisch miteinander ins Gespräch zu bringen.
Zu den Beständen zählen Plakate und Transparente ebenso wie Fotografien, Ton- und Filmaufnahmen, Arbeitszeugnisse, Tagebücher, Lohnzettel, Notizen, Zeitschriften und Flugblätter. Im Archivdepot in der Haderunstraße 4 werden diese Zeugnisse bewahrt und stehen Interessierten nach vorheriger Anmeldung zur Einsicht offen. Auch thematisch passende Sachspenden sind ausdrücklich willkommen.
In den vergangenen Jahren hat das Archiv zahlreiche Ausstellungen auf die Beine gestellt, darunter „Freundliche Grüße und Shalom! Gewerkschaftlicher Austausch zwischen dem DGB Bayern und der israelischen Histadrut-Region Negev“ sowie „Getrennt & vereint – die Münchner Arbeiterbewegung im Kampf um die Republik 1919–1922“. Begleitprogramme, Kataloge und Broschüren vertiefen die Themen in der Regel über die Ausstellung hinaus.
Auch publizistisch setzt das Archiv Akzente. So richtet das Heft „Alle Kraft für den Aufbau – Gewerkschaften in München 1945/46“ den Blick auf die schwierigen unmittelbaren Nachkriegsjahre. Seit 2018 erscheint zudem im Franz-Schiermeier-Verlag der viel beachtete Jahreskalender „Industriekulturen in München. Zwischen Abriss und Bewahren“.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem sogenannten Zeitzeugen-Projekt. Hier werden Lebens- und Arbeitswelten von Menschen dokumentiert, die sich in der Arbeiterbewegung engagierten oder Widerstand gegen das NS-Regime leisteten. Beispiele dafür sind die Widerstandskämpferin Centa Herker-Beimler und der Gewerkschafter Bertl Lörcher. Das Projekt wird derzeit weitergeführt.
Träger des Archivs ist ein eingetragener Verein, gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München. Unterstützt werden kann die Arbeit zudem durch Spenden. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 40 Euro und umfasst Einladungen zu allen Veranstaltungen des Archivs.
Archiv der Münchner Arbeiterbewegung e. V.
Ebenböckstr. 11, 81241 München, Tel. 089-8344683
E-Mail: info@arbeiterarchiv.de
Homepage: www.arbeiterarchiv.de
